Selbst-Test “Bin ich hochbegabt?”: Hintergrund
Das zuverlässigste Mittel, um Hochbegabung festzustellen, ist immer noch ein Intelligenz-Test. Wenn Sie zum Beispiel im HaWIE (Hamburg Wechsler Intelligenztest für Erwachsene) einen IQ von 130* erreichen, dürfen Sie sich als hochbegabt betrachten. Diese Tests haben nur alle einen Haken:
(Artikel von Jürgen vom Scheidt)
Sie messen vor allem intellektuelle Hochbegabung, wie sie in akademischen Berufen (und natürlich schon vorher in Schule und Studium) vor allem gefragt ist. Und diese Tests sind nicht unabhängig von Bildung. Ein genialer Erfinder, der tolle Automotoren basteln kann, könnte durchaus einen verhältnismässig niedrigen IQ haben – und dennoch ein hochbegabter Tüftler im praktischen Bereich sein. Ich kenne einen Arzt und Chirotherapeuten, dessen wirklich weit überdurchschnittliche Intelligenz sich gewissermassen in seinen behandelnden Händen konzentriert. Und Michael Schuhmacher ist sicher ein hochbegabter Rennfahrer – ob er allerdings eine gute Diplomarbeit schreiben könnte, weiss ich nicht.
* Vorsicht: Manche Tests benützen eine andere Skala – so entspricht im IST nach Amthauer eine Punktwert von 119 dem des HAWIE von 129 – weist also auch auf Hochbegabung hin
All dies kommt für mich am anschaulichsten bei Arnold Schwarzenegger zusammen: Er begann ganz bewusst damit, seinen Körper als Bodybuilder zu trainieren, um in diesem Bereich der Beste zu werden. Nachdem er dies geschafft hatte, wechselte er rechtzeitig in die Schauspielerei, erklomm dort einen der besten Plätze in der Spitzenliga. Danach strebte er eines der höchsten Ämter in den USA an, was im wiederum gelang: Er ist heute Gouverneur von Kalifornien, dem sechsgrössten Wirtschaftsraum der Welt. Dass er irgendwann auch ein Hochschulstudium als Kaufmann absolvierte und zwei sehr erfolgreiche Unternehmen aufbaute, sei nur nebenbei erwähnt.
Das schafft man nicht mit reiner Willenskraft und Ehrgeiz – dazu muss man auch intellektuelle “Muckis” haben, und nicht wenige. Ein Hochbegabter, würde ich aus der Ferne diagnostizieren, einfach auf Grund seines erfolgreichen Lebenslaufs.
(Weitere Beispiel für solche BrainSpots und über die Technik des BrainSpotting = Ferndiagnose finden Sie auf unserer parallelen Website unter BrainSpotting.)
Eine selbstkritische Anmerkung vorab: Schwachpunkt dieses Selbst-Tests ist natürlich der Vorgang der Selbsteinschätzung. Man bearbeitet nicht Item für Item die Aufgaben eines an zig Tausenden von Probanden erprobten und von Testpsychologen standardisierten, statistisch-mathematisch abgesicherten Intelligenz-Tests, sondern man entscheidet sich: “Das bin ich – so ticke ich – und so nicht”.
Genau dies ist meines Erachtens auch die Stärke und der Vorteil, den eine solche Merkmal-Liste gegenüber den üblichen Tests hat: Er führt einen ins persönliche Leben und Erleben.
Wir im IAK führen keine standardisierten I-Tests durch. Aber uns liegen inzwischen doch recht beeindruckende Rückmeldungen von Absolventen des Selbst-Tests vor, die auch ihren IQ-Wert kennen und uns mitteilten, dass die Anzahl der im ST angekreuzten Punkte dem durchaus entspricht.
Mehr kann dieser Selbst-Test also nicht leisten – - aber auch nicht weniger: Nämlich eine erste Annäherung an die Antwort auf die Frage: “Bin ich hochbegabt?”
Was Sie dann damit machen, ist eine andere Sache. Und niemand verbietet Ihnen ja vor allem, sich einem der erwähnten “standardisierten” Tests zu unterziehen, wenn Sie hier im Selbst-Test auf die Idee kommen: “Mensch – ich könnte ja hochbegabt sein!”
Intelligenz-Test vs. Merkmal-Liste
Dieser kleine Selbst-Test ist natürlich kein richtiger Intelligenz-Test: also von Experten an vielen Probanden getestet und standardisiert und anschließend von anderen Experten sachgemäß durchgeführt. Die Testpsychologen mögen solche Merkmal-Listen nicht, halten sie für unseriös.
Lassen Sie sich davon nicht irre machen: Natürlich hat ein einzelnes Merkmal wenig Aussagekraft. Aber ähnlich wie in einer Gerichtsverhandlung mangels handfester Beweise und Zeugenaussagen mit Hilfe eine Reihe von Indizien durchaus ein sinnvolles Urteil gefunden werden kann – so können Sie davon ausgehen, dass bei einer genügend großen Anzahl von Merkmalen, die Sie im Selbst-Test ankreuzen können, ein durchaus sinnvolles Urteil erzielt werden kann, ob Sie hochbegabt sind.
Nicht korrekt ist der Umkehrschluss: Sollten Sie recht wenige Merkmale ankreuzen, so heißt dies noch lange nicht, dass Sie NICHT hochbegabt sind. Vielleicht stimmt ja mit Ihrer Selbsteinschätzung etwas nicht?
Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie diesen kleinen Test – pardon: diese Check-Liste – auch von jemand anderem ausfüllen lassen, der Sie gut kennt.
Auch dies ist noch kein handfester Beweis. Wenn Sie den wollen, müssen Sie “ins kalte Wasser springen” und die Mutprobe wagen, sich einem richtigen Intelligenz-Test zu unterziehen:
° Es gibt Tests im Internet, die nichts kosten. Vergessen Sie die – sie sind nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit keinesfalls besser als diese Checkliste.
° Auch die Ergebnisse von Gruppen-Tests (wie der von mensa angebotene) sind mit Vorsicht zu genießen: Da braucht nur Ihre Tagesform miserabel zu sein (z.B. aufgrund einer depressiven Verstimmung) oder die Gruppensituation Ihnen Schwierigkeiten zu machen – und schon rutscht Ihr mögliches Ergebnis signifikant ab.
° Und weil wir gerade bei der kritischen Bewertung sind: Auch ein von einem zertifizierten Testpsychologen mit entsprechender Ausbildung durchgeführter standardisierter Intelligenz-Test in der Einzelsituation mit Ihnen als einzigem Probanden, der Sie einige hundert €uro kostet, kann ein ungenügendes Ergebnis liefern. Nicht, weil Sie zu dumm sind – sondern weil Sie nicht “gut drauf” waren oder wegen einer Depression* zu langsam, was zu einer entsprechend niedrigen Zahl von richtig beantworteten Items führt – und damit zu einem “niedrigeren” Intelligenzquotienten.
* Eine Depression ist das typische Ergebnis von Underachievement!
Intrinsisches Lesen und Schreiben
Diese beiden Merkmale sind für sich allein bereits ein äußerst starker Hinweis, dass bei Ihnen Hochbegabung vorliegt:
° Wenn Sie als Kind schon sehr früh, also vor Schuleintritt, aus eigenem Antrieb (= intrinsisch) lesen gelernt haben, sich aus Wissenshunger vielleicht sogar selbst das Lesen beibrachten, sehr früh (mit sieben oder acht Jahren) bereits richtige Bücher verschlungen haben – dann ist dies ein sehr sicheres Zeichen für Hochbegabung.
° Noch deutlicher spricht für Hochbegabung, wenn Sie aus eigenem Antrieb mit dem Schreiben begonnen haben und Freude sowie einen tieferen Sinn daran finden. Die Freude und die Sinnhaftigkeit sind ausschlaggebend – wie bei jedem Talent. Denn nur dann steht man die naturgemäß auftretenden Phasen der Frustration und Lustlosigkeit durch.
Warum ist das so?
Lesen und Schreiben fordern von jedem Menschen ein “gut geöltes” Gehirn. Aber wenn jemand dies aus freien Stücken und sehr früh im Leben und sehr intensiv betreibt, dann spricht alles dafür, dass (Ihr) Gehirn für die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen exzellent ausgestattet ist, und das intrinsische Schreiben mit entsprechend starker Motivation deutet entsprechend noch zusätzlich auf eine exzellente Fähigkeit zur Abgabe von Informationen hin.
Letzteres besagt überhaupt noch nichts über die literarische oder fachliche Qualität Ihrer Texte. Aber es besagt sehr wohl etwas über eine spezielle Qualität Ihres Gehirns – und diese spricht definitiv für Hochbegabung. Wahrscheinlich sind nicht alle Schriftsteller hochbegabt und Hochbegabung muss sich auch nicht im Schreiben äußern. Aber mit Hochbegabung wird Ihnen nicht nur vieles besser gelingen – Sie werden auch mehr Freude daran haben.
Deswegen haben wir im Minotauros-Projekt für Latente Talente (Spätzünder) das Schreiben eines Buches zum zentralen Denk- und Kreativitäts-Werkzeug und zur praktischen Form der Umsetzung des Talent-Realisierungs-Plans gemacht, der durch den 3-Jahres-Kurs begleitet.
Kinder – Jugendliche – Erwachsene
Dies alles lässt sich vor allem bei Kindern, spätestens ab Einschulung, gut beobachten. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wird das immer schwieriger, weil – vor allem nach Misserfolgen – die Hochbegabung manchmal ganz bewusst hinter mittelmässigen bis schlechten Leistungen versteckt wird.
Nur der berufliche und finanzielle Erfolg (s. oben) lässt sich natürlich gut beobachten – bei den prominenten Erfolgreichen. Bei einem Nobelpreisträger sieht man es sofort – oder am akademischen Titel “Professor”, “Doktor” etc. Aber auch die top Wirtschaftsführer, Politiker, Unternehmer kann man getrost dieser Gruppe der Hochbegabten zurechnen – immerhin fast drei Prozent der Bevölkerung, also mehr als zwei Millionen Menschen allein in Deutschland. Es ist sicher kein Zufall, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrem Wirtschaftsteil Mitte 2009 schrieb, es gebe in Deutschland “2,4 Millionen Top-Entscheider”. Na bitte. Um top zu werden in diesem Sinne schadet Hochbegabung sicher nicht. Die Übereinstimmung der beiden Zahlen ist jedenfalls verblüffend.
Anmerkung an kritische Leser: Ich habe von nicht wenigen Lesern meines Buches Das Drama der Hochbegabten die Rückmeldung bekommen, dass ihnen das mit dem Erfolg samt hohem Einkommen als Merkmal gar nicht gefällt. Dahinter steckt, so fürchte ich, nicht selten eine ideologische Fehlentscheidung, die in der Kindheit sicher richtig war (als Selbstschutz verweigert man sich dem Schulsystem mit seinen Bewertungen und Noten etc., dessen Ineffizienz gerade hochbegabte Kinder rasch durchschauen) – aber warum wollen Sie sich Ihr Leben lang selbst kasteien, indem Sie sich dem Erfolg verweigern? Sie können das viele Geld ja, wenn Sie es nicht selbst ausgeben möchten, spenden oder für sinnvolle, verantwortungsvolle humanitäre Zwecke einsetzen.
“… aus guten Gründen”
Sie werden vielleicht auf dieser Website rechts oben den kleinen Text UNSER MOTTO gesehen haben. Dort heißt es etwas salopp:
“Hochbegabt ist, wer sich dafür hält – aus guten Gründen.”
Jetzt wissen Sie hoffentlich, was damit gemeint ist. Die “guten Gründe” sind entweder ein adäquates Ergebnis in einem Intelligenz-Test (IQ um 130 aufwärts) – oder entsprechend viele Merkmale, die Sie in der Liste ankreuzen konnten.
Letztlich kommt es allerdings darauf an, was man aus seiner Hochbegabung, aus seinen Talenten macht. Der Erfolg ist der sichterste Beweis Ihrer Talente. Das ist ja auch die Basis jedes Intelligenz-Tests: Er macht eine Aussage (Prognose) darüber, ob Sie Erfolg in Ihrem Leben haben könnten:
° als Schulkind (sehr) gute Noten
° als Erwachsener finanziellen Erfolg, Ruhm, große Verantwortung.
Wenn dies nicht der Fall ist – dann ist Ihnen vielleicht Zufriedenheit wichtiger als Geld? Wenn Sie allerdings als Underachiever unzufrieden mit Ihrer Situation sind – sollten Sie dies ändern. Es ist jedenfalls machbar. Unser Minotauros-Projekt ist ein möglicher Weg dazu, Talente auch später im Leben noch zu realisieren.
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Mehr zu diesen Themen rund um Hochbegabung finden Sie im 6. Kapitel meines Buches Das Drama der Hochbegabten (München 2005, Piper Taschenbuch) und auf meiner Website iak-talente.de im Kapitel Aktualisierung des “Drama” , speziell Ergänzungen des Selbst-Tests mit noch mehr aufschlussreichen Merkmalen.
(c) Sep 2009 Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de