NetWorking oder Netzwerken?

Die wörtliche Übersetzung von NetWorking ins Deutsche ist nicht gerade elegant: Netzwerken. Deshalb möchten wir gerne den eingeführten amerikanischen Ausdruck übernehmen.

Was ist damit gemeint?

Buchstäblich verstanden, geht es darum, dass sich jemand in einem Netzwerk möglichst effizient und mit guten Gefühlen bewegen kann.

Netzwerke, die jeder Mensch schon sehr früh kennenlernt, sind das Elternhaus (samt Verwandtschaft und Nachbarn), die Religionsgemeinschaft (oder eine ähnliche Glaubensgemeinschaft), die Schule, die selbstgewählten Freundschaften, Vereine etc.

Wer sich da gut anpasst und aktiv mitgestaltet, hat von vorneherein gute Karten im Leben. Wir alle wissen, dass dies nicht immer gut gelingt. Und da fangen, auch und gerade für Hochbegabte, jene psychosozialen Probleme an, die einem das Leben sehr schwer machen und dann zu Underachievement führen (können).

Nicht minder wichtig sind später im Leben die sozialen und wirtschaftlichen Netzwerke. Sie allein bestimmen darüber, ob man Karriere macht, Erfolg hat, gut verdient. Wer sich hier verweigert oder schlecht anpasst, hat naturgemäß keine guten Karten.

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht lautet: Da lässt sich einiges nachholen. Als Spätzünder.

Netzwerk für Spätzünder: Das “Minotauros-Projekt”

Das von uns gestartete Kurs-System Minotauros-Projekt bietet hochbegabten Spätzündern die Möglichkeit, sich auch später im Leben ein eigenes Netzwerk zu schaffen beziehungsweise in ein solches hineinzuwachsen.

° Es begleitet die Entfaltung ihres brachliegenden Potentials Latenter Talente,

° fördert sie durch gemeinsame Arbeit an Themen und durch den Erwerb hilfreicher Werkzeuge, allen voran (aber nicht nur) das Kreative Schreiben / HyperWriting,

° fordert sie (durch Publizieren und Evaluieren)

° und hilft nicht zuletzt, Frustrationen, Durchhänger und Durststrecken besser zu verarbeiten als man es alleine schafft.

Kein Networking: Facebook, Twitter und andere Internet-Communities

Ich twittere auch und beteilige mich an manchen Diskussionen auf Blogs. Aber ich käme nie auf die Idee, dies als Networking zu bezeichnen. Austausch von abstrakten Gedanken – mehr ist das nicht. Echtes Networking setzt persönliche Kontakte voraus, bei denen ein Geben und Nehmen stattfindet und Gefühle involviert sind. Nur auf diese Weise wachsen allmählich Beziehungen, in denen Vertrauen besteht. Eine sehr interessante Erfahrung in dieser Richtung habe ich mit den Bloggern der SciLogs (= Scientific Blogs) der Zeitschriften um Spektrum der Wissenschaft gemacht. Dort ist auch mein Labyrinth-Blog angesiedelt. Die ging während zwei Jahren so mancher Kommentar hin und her und der eine oder andere Blogger wurde einem ein wenig vertraut mit seinen / ihren Themen und Ansichten. Aber erst, als mehr als 40 dieser Männer und Frauen während eines Wochenendes im Frühjahr dieses Jahres sich in Deidesheim zum persönlichen Austausch trafen, inklusive Vorträgen, gemeinsamen Essen und abendlicher Weinprobe – da entstand in ersten Ansätzen so etwas wie ein Netzwerk.

Aber es bedarf sicher noch etlicher solcher Austauschtreffen und vieler eMail-Kontakte, bis da allmählich von einem wirklichen Networking gesprochen werden kann. Gemeinsame Arbeit an einem Langzeit-Projekt ist sicher die günstigste Voraussetzung für die allmähliche Entstehung eines tragfähigen Netzwerks. 

Ob das Netz tatsächlich trägt, zeigt sich wirklich erst dann, wenn es Probleme gibt. Wenn man  Hilfe von jemandem braucht.

Was bei Facebook oder in den Sammlungen von Flickr und YouTube vermeintlich als Social Community des interaktiven Web 2.0 gefeiert wird, ist nichts anderes als unverbindlicher Austausch von Informationen, gleich welcher Art.  So entsteht kein Netzwerk, in dem man sich – wenn auch in Grenzen – auf einander verlassen kann.

#19 (c) 2009 Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de

Die Kommentare wurden geschlossen.