Der Minotauros

In der Labyrinth-Sage des griechischen Altertums ist der stierköpfige Mann Minotauros die zentrale Gegenfigur zum positiven Helden. Man könnte ihn als die zweite zentrale Figur der Sage nach Theseus, dem eigentlichen Helden, bezeichnen.

(DownloadFoto  noch nicht möglich)  Abb.: Moderne Bronzefigur aus Knossos – nach alten Vorlagen (Foto: JvS Sep 2009)

Er ist der Widersacher, der tödlich gefährliche Gegner, ohne den der Held sein Heldentum gar nicht entfalten könnte.

Wir dürfen vermuten, dass die kulturelle Entwicklung der nach-minoischen Zeit (als die Vormachtstellung der Insel Kreta im nordöstllichen Mittelmeer durch das festländische Griechenland übernommen wurde) mit dem Untergang und entsprechend der nachträglichen Verteufelung der auf Kreta herrschenden Religion verbunden war. Dies war – wie im Ägypten jener Zeit und in anderen Ländern – der Stier-Kult, wie er einer Ackerbauer-Viehzüchter-Kultur entsprach.

Der Minotauros war also vermutlich nichts anderes als ein mit Stiermaske verkleideter Oberpriester des herrschenden religiösen Kults. Nach dem Untergang der minoischen Kultur wird er zum Bösewicht, der heimtückisch die athenischen Geiseln mordet.
Es gibt eine Analogie zu so einer solchen nachträglichen Demonisierung einer vorher positiven Figur: Wie noch im Märchen von “Hänsel und Gretel” zu besichtigen, machte das Christentum, das keinerlei heidnische Konkurrenz duldete, aus den weisen Frauen, zu denen man die Kinder ursprünglich als Vorbereitung auf die Erwachsenenwelt in den Wald schickte, die Hexen.


Eine doppeldeutige Gestalt

Im Kern des Labyrinths lauert also eine sehr zwielichtige Gestalt: zugleich mörderisches Ungeheuer und höchster geistiger Vertreter einer alten Religion und Kultur.

In anderen Mythen und Märchen und speziell in der Heldenreise ist das Ungeheuer zugleich der Hüter des Schatzes; dies kann ein materiell wertvoller Goldschatz sein – aber auch eine geistiger Schatz des geheimen Wissens.

Im Rahmen des Minotauros-Projekts steht der Minotauros für das noch nicht gelebte Potential an Begabungen und Intelligenz, also für das, was wir Latente Talente nennen.

Er ist eigentlich auch genau das, was der Volksmund (Martin Luther folgend) als Inneren Schweinehund bezeichnet: nämlich jener Persönlichkeitsanteil, der uns – aus weitgehend unbewussten Gründen – ständig “auf die Bremse treten” lässt – statt dass wir ordentlich “Gas geben” bei der Realisierung unseres Potentials.

Im Minotauros-Projekt wird genau dies geändert. Zähmt man nämlich die gewissermaßen rohe Kraft des Minotauros, so wird aus dem Bremser ein kräftiger Antreiber. Dadurch werden allmählich genau jene Eigenschaften zugänglich, die wir bei den Erfolgreichen und Überfliegern so bewundern: Erfolg und letztlich auch höheres Einkommen - auf  jeden Fall jedoch mehr Zufriedenheit.

(c) Aug 2009 Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de

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