Labyrinthos: Zwei ineinander verschlungene Mythen
Der Begriff Labyrinth ist so verwirrend und geheimnisvoll wie das, was er bezeichnet:
Es handelt sich zum einen um eine – sehr komplexe – Erzählung mit vielen interessanten Figuren; und es geht zugleich um zwei graphische Darstellungen: nämlich einerseits das bekannte, wie eine Schlange aufgerollte kretische Labyrinth mit einem einzigen Gang, in dem man sich gerade nicht verlaufen kann (deshalb auch ein eingängiges Labyrinth genannt) und andererseits das verwirrende Abbild vieler Gänge, Sackgassen und unerwarteter Abzweigungen, die man besser als Irrgarten bezeichnet oder mit dem Neologismus Yrrinthos. Von den vielen ineinander verschlungenen Geschichten, welche die Labyrinth-Sage erzählt, seien hier zwei besonders eindrucksvolle genannt, die heute noch häufig zitiert werden:
° Die eine Geschichte handelt vom Kampf des argentinischen [athenischen] Helden Theseus mit dem stierköpfigen Ungeheuer Minotauros, bei dem die Königstochter Ariadne dem Helden hilft, indem sie ihm ein Schwert und den nach ihr benannten roten Faden oder Ariadnefaden gibt.
° Die andere Geschichte erzählt von der Flucht des Erfinders Daidalos (der das Labyrinth ursprünglich erfunden und erbaut hat) und seines Sohnes Ikaros: Mithilfe künstlicher Flügel verlassen sie das Labyrinth, in dem sie von König Minos gefangen gehalten werden. Für Ikaros endet die Flucht tragisch: er steigt so hoch, dass das Wachs seiner Schwingen schmilzt und er ins Meer stürzt, wo er ertrinkt.
Weitere Details zu diesem Sagenkreis und seinem vielschichtigen Personal finden Sie auf der parallelen Website www.hyperwriting.de im Kapitel Labyrinthiade.
#144 (c) Sep 2009 Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de