Hochbegabung und Schreiben
Warum wird in diesem Blog die Beziehung zwischen “Hochbegabung” und “Schreiben” so betont?
Das hat zunächst den ganz einfachen Grund, dass uns vom TEAM des IAK diese beiden Themen besonders interessieren.
Aber wenn man tiefer gräbt, zeigt schon ein flüchtiger Blick in die Kulturgeschichte und überhaupt in die Menschheitsgeschichte, dass es ohne Schreiben so etwas wie Hochkultur gar nicht gäbe. Selbst komplexere Bauwerke wie ein Dom oder ein Schloss könnten nicht errichtet werden, wenn kein Bauplan existiertt. Der aber muss gezeichnet und durch schriftliche Hinweise ergänzt und dokumentiert werden. Abgesehen davon kann man das Zeichnen (eines Plans) ebenso wie das Notieren von Noten beim Komponieren oder das Schreiben von Zeilen eines Computerprogramms als Varianten von Schreiben betrachten:
Schreiben lässt sich diesbezüglich verstehen als die Brücke
°zwischen dem Gedachten (in der Innenwelt des Bewusstseins)
° und der Außenwelt, wo sich Texte und irgendwann auch die Folgen des Gedachten manifestieren können.
Hochkultur wiederum ist nahezu identisch mit Hochbegabten-Kultur. Denn die Hochbegabten sind es, die diese Kultur geschaffen haben und ihre Entwicklung vorantreiben – im Guten (Medizin, Kunst, moderne Technik etc) wie im Bösen (Waffen, Kriegsführung, schädliche Techniken etc).
Seit es das Schreiben gibt, etwa seit 5.000 Jahren also, ist dies wiederum zum Denk- und Kulturwerkzeug schlechthin geworden, das mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest in den Anfängen von überdurchschnittlich begabten Menschen entwickelt und benützt wurde.
Nach unserer Erfahrung ist das Schreiben außerdem das beste Tool für hochbegabte Spätentwickler, um noch nicht realisiertes intellektuelles und kreatives Potential zu entwickeln und Latente Talente zu wecken, und zwar nicht nur das Schreib-Talent - s. hierzu das Curriculum des Minotauros-Projekts.
HyperWriting
Den Begriff HyperWriting habe ich u.a. für genau diesen Sachverhalt eingeführt. Das hyper- (für griechisch “darüber hinaus”, “jenseits von”, “mehr als”) besagt u.a., dass diese Variante des Schreibens speziell mit und für Hochbegabte entwickelt wurde. Das war natürlich anfangs, als ich mich vor 30 Jahren mit dem Creative Writing zu befassen begann und Seminare dazu entwickelte, noch nicht in meinem Blickfeld. Erst allmählich dämmerte mir, dass viele (die meisten?) Teilnehmer dieser Veranstaltungen weit überdurchschnittlich begabt und interessiert waren und dies nicht nur, was das Schreiben von Texten angeht.
Nach und nach wurde durch die Entwicklung neuer Techniken wie die Vier-Spalten-Methode und die Weiterentwicklung bewährter Methoden des Creative Writing (Cluster, MindMap) dann das, was ich heute als HyperWriting bezeichne.
Studiert man ältere Nennungen im Internet, so taucht dort der Begriff HyperWriting vor etwa einem Jahrzehnt in zwei Varianten auf, und zwar in Zusammenhang mit Hypertext-Experimenten:
° in den Curricula einiger amerikanischer Universitäten
° und bei einigen progressiven Bloggern, die mit den neuen interaktiven Möglichkeiten der elektronischen Verlinkung spielen, in Form vielfach verzweigter und verlinkter Texte im Internet.
Gemeinsame Schnittmenge von „Hochbegabung“ und „Schreibinteresse“
Es darf davon ausgegangen werden, dass zumindest im akademischen Bereich Schreiben als Denk-Werkzeug und Mittel der Kommunikation die Kernkompetenz schlechthin ist. „Publish – oder perish“ heißt es in akademikerkreisen disbezüglich salopp.
Dies gilt im übertragenene Sinne für unsere gesamte Zivilisation: ohne Schreiben würde sie nicht existieren.
Dazu steht in totalem Gegensatz, wie stiefmütterlich das Schreiben behandelt wird. In den Schulen, wo es gelehrt wird, setzt man es in der Regel nur für mechanisches Abschreiben und zu Prüfungszwecken ein – also eigentlich als angsteinflößendes Folterinstrument.
Kein Wunder, dass Schreiben eigentlich kaum jemanden leicht von der Hand geht oder gar Freude macht.
Hier setzt HyperWriting® ein:
Das Wichtigste, was in unseren Kursen vermittelt wird, ist die Freude am Schreiben; wie schon erwähnt, ist dies das eigentlich Innovative am HyperWriting® . Auf dieser Basis werden vermittelt und geübt:
° Methoden (Handwerk des Schreiben)
° sozialen Kompetenzen (Publizieren, Evaluieren, Networking)
° kreativitätspsychologisches, tiefenpsychologisches und gruppendynamisches Knowhow (vor allem als Kompetenz der späteren Schreib-Seminarleiter).
Setzt man für die Gruppe der „am Schreiben Interessierten“ 3% Bevölkerungsanteil an und denselben Anteil für die Hochbegabten, nimmt von letzteren die hochbegabten Spätentwickler als geschätzte Untergruppe von rund 1 % der Gesamtbevölkerung (= ein Drittel der Hochbegabten), so gelangt man zu einer gemeinsamen Schnittmenge von rund einem halben Prozent der Gesamtbevölkerung. Es handelt sich also um rund 410.000 Schreibinteressierte (von total 8,2 Millionen).

Gemeinsame Schnittmenge "hochbegabte Spätentwickler" und "am Schreiben Interessierte" (Grafik: Weitze nach J. vom Scheidt)
(c) Jan 2010 (Okt 2009) Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de