Hochbegabte Kinder haben hochbegabte Eltern, oder?

Nachdem Hochbegabung in hohem Maße vererbt wird, ist die Schlussfolgerung geradezu banal, dass “hochbegabte Kinder hochbegabte Eltern” haben. Sie ist überhaupt nicht mehr banal, wenn man die Probleme analysiert, die viele hochbegabte Kinder haben, vor allem in der Schule. Was tun?

 In einem sehr aufschlussreichen Kapitel ihres Buches Ganz normal hochbegabt geht Andrea Brackmann auf diese Thematik und zugleich hochbrisante Problematik ein. Sie nennt diesen Abschnitt “Hochbegabte Kinder wecken ihre Eltern”. (S. 52)

Am Beispiel einer Mutter zeigt Brackmann, wie sich die Schwierigkeiten eines hochbegabten Kindes nach und nach auflösen – als die Mutter beginnt, ihre eigene Hochbegabung anzunehmen und ihre bis dahin latenten Talente zu realisieren.

Ich kann diese Beobachtung nur bestätigen, und zwar aus so manchem meiner Seminare, in denen vor allem Mütter lernten, ihre eigene Hochbegabung zu akzeptieren und praktisch umzusetzen. In hohem Maße aus dieser Erfahrung heraus ist die Idee zum Minotauros-Projekt entstanden.

Was also tun?

Grundsätzlich geht es dabei darum, dass man sich nicht länger auf die Kinder mit ihren Macken und Schwierigkeiten einschießt – sondern der eigenen Befindlichkeit mehr Aufmerksamkeit schenkt und vor allem sich auf den Weg macht, das eigene intellektuelle und kreative Potential zu erkunden. Die Folgen:

° Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird entspannter.

° Das betroffene Kind kann endlich zur Ruhe kommen – und zum eigenen Erstaunen beobachten, dass die Mutter, der Vater eine bislang nicht sichtbare eigene Entwicklung durchmacht (vorausgesetzt, der betreffende Elternteil lässt das Kind daran teilhaben).

° Die Eltern resp. der Elternteil, dessen Talente noch latent sind (meistens die Mutter) kann eine erstaunliche Entwcklung durchlaufen.

° Und, last but not least: Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Eltern hochbegabt sind, ist naheliegend, denn hier “gesellt sich gleich zu gleich”, in vielen Fällen jedenfalls. Häufig ist es noch immer so, dass der Mann Karriere macht (= seine Hochbegabung realisiert) und die Frau zurücktritt, um Mann und Kind zu fördern. Wenn die Frau nun endlich “aus dem Schatten” tritt und ihren Talenten mehr Beachtung schenkt, kommt eine ungeahnte Dynamik in die Familie. Das ist nicht einfach  – aber es ist machbar!

Quelle: Brackmann, Andrea: Ganz normal hochbegabt. Stuttgart 2006 (Klett-Cotta)

(c) Okt 2009 Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de

4 Kommentare

  1. [...] Copyright « Hochbegabte Kinder haben hb Eltern [...]

  2. Ich (JvS) verstehe diesen Kommentar nicht. Was soll der Hinweis aufs Copyright? Bei amazon zumindest finde ich keinen Buch-Titel “Hochbegabte Kinder haben hochbegabte Eltern”. Und Filmtitel? Wohl kaum.
    Also bitte einen genaueren Hinweis!

  3. Julia sagt:

    Leider nutzen viele Muetter ihre hochbegabten Kinder als Selbstbestaetigung. Mich interessiert eher die naechste Generation: Wenn also zwei angeblich hochbegabte Menschen Kinder haben, was passiert dann, wenn a) die Kinder hochbegabt sind oder b) normal begabt oder c) unterdurchschnittlich begabt sind.

  4. Liebe Julia:
    Die Beantwortung Ihrer Frage ist schwierig – und letztlich eine “Glaubens”-Frage. Wenn man – wie ich – (aufgrund vieler Indizien) daran glaubt, dass Hochbegabung weitgehend vererbt wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass zwei hochbegabte Eltern auch hochbegabte Kinder in die Welt setzen. Allerdings müssen diese dann entsprechend gefördert werden.
    Ein interessantes historisches Beispiel: Der gerne als “Genie” apostrophierte Goethe hatte einen Sohn namens August, der als nicht sehr “helle” galt und wohl ein sehr unglücklicher Mensch gewesen ist. Wenn man eine zusätzliche Annahme macht (welche die Beobachtung oft bestätigt), nämlich dass sich Hochbegabte gerne hochbegabte Partner suchen – dann ist die Chance recht gut, dass auch Goethes Sohn hochbegabt war.
    Warum wurde dies nicht sichtbar (jedenfalls den historischen Zeugnissen zufolge)?
    Vielleicht deshalb, weil der egomanische Vater Goethe unfähig war, den Sohn entsprechend zu fördern?
    Wohl nicht zuletzt auchdeshalb, weil man ihn ständig an seinem “titanischen” Vater gemessen hat, dem wohl sonst kaum jemand das “Wasser reichen konnte”.
    Beste Grüße – Jürgen vom Scheidt