Evaluieren

Evaluieren ist zunächst einmal nur ein anderes Wort für Bewerten, Benoten, Kritisieren, kritisch einordnen. Es ist ein ganz wesentlicher Vorgang, ohne den Erfolg nicht möglich ist.

Verständlicherweise bringt es der nicht gerade einfühlsame oder gar pädagogisch sinnvolle Umgang mit Kritik in der Schule und späteren Ausbildungen mit sich, dass Kritik von vielen Menschen sehr kritisch (sic!) erlebt oder gar abgelehnt wird.  Welch fatales Missverständnis!

Hochbegabte sind in der Regel auch sehr sensible Menschen – und das bringt mit sich, dass sie intensiv auf Kritik reagieren. Genau hier unterscheiden sich die Erfolgreichen und die Überflieger von den nicht so Erfolgreichen und den Underachievern. Genau dies müssen also Spätzünder lernen: Wenn sie doch noch Erfolg haben möchten, geht dies nur, wenn sie lernen, anders mit Kritik umzugehen. Weil dieses Thema mit sehr starken Gefühlen besetzt ist, möchten wir dafür ein neutrales Wort einführen: Evaluation – Evaluieren. Dieser Terminus geistert zur Zeit durch die Diskussion über die qualitative Verbesserung der Universitäten und anderer Institutionen und ist auf dem besten Weg, zum Hass-Wort zu werden – nämlich bei denen, die sich falsch evaluiert (= bewertet) fühlen – oder keine Evaluation wollen, weil ihnen dies zu unpersönlich oder gar zu personfeindlich erscheint.

Was für ein großer Irrtum!

Wie soll man ohne kontinuierliche Bewertung der eigenen Werke deren Qualität verbessern?

Gerade Hochbegabten ist interessanterweise das Beste gerade gut genug – die beste Leistung eines Dirigenten, Malers, Bildhauers, Autors. Im Bewerten anderer sind sie also nicht nur gut geschult, sondern auch nicht zimperlich.

Erst wenn es an das Bewertetwerden eigener Produktionen geht, wird man mimosenhaft empfindlich und weist dies sogar empört zurück.

Aber wie schon erwähnt:  Wer nicht lernt, die eigenen Werke selbstkritisch zu bewerten und sich auch Fremdkritik auszusetzen, wird kaum die eigenen Qualitäten verbessern. Und was sonst sollte das Ziel von künstlerischer Produktion sein?

Im 3-Jahres-Kurs Minotauros-Projekt üben wir das Evaluieren in kleinen Schritten bis hin zur Perfektion (soweit diese angestrebt wird). Das überfordert niemanden – und führt doch zum erstrebten Ziel, die Qualität zu verbessern, damit professioneller zu werden und entsprechend irgendwann auch den erstrebten Erfolg zu erreichen.

(Vergl. auch Publizieren und NetWorking, mit dem zusammen das Evaluieren die elementare Triade und damit  den Kern des 3-Jahres-Kurses Minotauros-Projekt bildet.)

#8 (c) Sep 2009 Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de

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