BrainSpotting

Es gibt im Leben immer wieder Situationen, in denen es hilfreich wäre, zu wissen, wie intelligent ein anderer Mensch ist.  Zum Beispiel wenn man sich unsterblich verliebt hat und nach einer Weile (wenn der nüchterne Verstand allmählich zurückkehrt) dann doch gerne etwas Klarheit hätte, ob sich da “gleich zu gleich gesellt”. Oder ob der neue Chef “was taugt”.

Klar, den IQ eines Menschen stellt man üblicherweise mit Hilfe eines Intelligenztests fest. Wenn man sich davor scheut, kann man sich zunächst einmal unseres Selbst-Tests bedienen. Nicht nur als Psychologe befindet man sich immer wieder in der Situation, quasi aus dem “hohlen Bauch heraus” sich zumindest eine Ahnung verschaffen zu müssen, wie der Andere “in der Tiefe” (und dazu gehört nun einmal nicht zuletzt das intellektuelle Potential) tickt: Ein Klient in einer Beratungsstunde, ein Seminarteilnehmer, ein Fremder, der einem was Tolles verkaufen möchte -

Es gibt unzählige solcher Situationen, in denen es wunderbar wäre, anhand von ein paar Hinweisen zumindest abschätzen zu können, wo man das Gegenüber intellektuell verorten kann. Das geht, mit einiger Übung, in der Tat. Man muss dazu lediglich die Merkmale verinnerlichen, aus denen der Selbst-Test sich zusammensetzt. Sobald das Gegenüber genügend dieser Merkmale zeigt, ist zumindest der Verdacht erlaubt, dass diese Person überdurchschnittlich intelligent ist. 

Am einfachsten geht dies, wenn man Biographien oder Autobiographien liest, in denen man natürlicherweise viele Aussagen über den intellektuellen Hintergrund dieser Person findet. Auch bei Romanen funktioniert das recht gut. Auf meiner parallelen Website  www.hyperwriting.de habe ich im Kapitel BrainSpotting einige Beispiele vorgestellt, darunter den Erfinder des Rock´n´Roll Chuck Berry und so manchen anderen, bei denen man Hochbegabung auf den ersten Blick nicht erwarten würde.

Ich weiß, dass die akademischen Intelligenzforscher und nachzumal die Testpsychologen und -entwickler bei solchen solchen Ferndiagnosen bestenfalls die Nase rümpfen. Sowas ist total unseriös, meinen sie. Sei´s drum. Im praktischen Leben kann ich jemanden kaum dazu zwingen, sich erst einmal testen zu lassen. Schon gar nicht (s.oben), die Person, in die man sich verliebt hat oder den neuen Chef oder Kollegen.

Ich sage nicht, dass so eine Intelligenzabschätzung leicht ist. Aber wie so vieles andere, kann man das ja üben. Erfährt man, was der Glücksfall ist, von der betreffenden Person dann noch ihren in einem I-Test korrekt gemessenen IQ – bingo!

Man muss sich bei alledem nur dessen bewusst sein, dass man sich auch täuschen kann. Ferndiagnosen dieser Art sind zunächst immer nur Vor-Urteile, im wahrsten und doppelten Sinne des Wortes. Man muss sie stets überprüfen. Jemand, der eine Brille auf der Nase hat, wirkt sofort intelligenter, selbst wenn er oder sie strohdumm ist (das haben psychologische Experimente schon vor vielen Jahren nachgewisen). Ein bulliger Unternehmer oder gar so ein Bodybuilder-Schauspieler-Politiker-Haudegen wie Arnold Schwarzenegger wiederum, der sooolche Muckis hat – der muss doch ein Depp sein. Von wegen.

 

Muss man denn den IQ kennen?

Bleibt noch die Frage, ob das denn so wichtig ist, wie intelligent jemand ist.

Oh ja, diese Frage ist enorm wichtig. Vor allem, wenn man die Ferndiagnose mal auf jemanden anwendet, der einem sehr nahe ist: man selbst. Gerade Hochbegabte neigen dazu, sich selbst überkritisch für wenig intelligent zu halten, vor allem wenn sie im Leben keine erfolgreichen Überflieger geworden sind. Schon die Ahnung, dass mehr in einem steckt, als obenhin sichtbar ist, kann ein ganzes Leben verändern und ihm neuen Sinn geben. Man lese dazu nur mal die Autobiographie des Berliner Weltunternehmers Hans Wall: “Aus diesem Jungen wird nie was…”

Mindestens so wichtig ist es, andere Menschen wenigstens ungefähr einschätzen zu können, was in ihnen an Talent-Potential steckt. Sie müssen nur die Tageszeitung aufmerksam lesen, unter diesem Aspekt; Sie werden staunen, was sie da alles entdecken.

Aber aufgepasst: Legen Sie, in diesem Falle zumindest, ausnahmsweise mal keine moralischen Maßstäbe an. Es gibt hochbegabte Verbrecher und Schufte jeder Art, die sich vor der großen Verantwortung drücken, die man mit Hochbegabung immer verbunden sehen sollte. Die Bankenkrise unserer Tage und das gierige Verhalten der wirtschaftlichen Eliten ist der beste Beweis dafür, dass “sogar” promovierte Akademiker oft ihre – sicher vorhandene – hohe Intelligenz nur zum Eigennutz einsetzen. Gerade wurde ein Psychologenkollege von mir verhaftet, der als Fondsmanager 280 Millionen Dollar weggezaubert haben soll – in die eigene Tasche. BrainSpotting? Ohne Hochbegabung schafft das niemand, die ganze Bankenwelt mit ihren Spitzenleuten an der Nase herumzuführen.

(c) Nov 2009 Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de

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