3 kleine Gruppen in einer großen Gruppe
Wer schon einmal bei uns im Seminar war, wird vielleicht staunen, dass wir speziell beim Minotauros-Projekt plötzlich eine Gruppengröße von bis zu 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern anpeilen.
Was wir dabei versuchen ist, das “Angenehme mit dem Nützlichen” zu verbinden. Sicher ist es zunächst angenehmer, in einer kleinen Gruppe von rund zehn zu schreiben und sich auszutauschen. Deshalb ist ja auch die ROMAN-WERKSTATT für maximal acht Personen angelegt, ähnlich die KLEINE SCHREIB-WERKSTATT. Aus demselben Grund wird diese Gruppengröße auch beim Minotauros-Projekt den Ton angeben: 3 kleine Gruppen mit je einem eigenem Leiter*.
* Diese Leiter werden nach einem Vierteljahr jeweils in eine andere der 3 Teilgruppen wechseln, sodass man sich nach und nach immer besser kennenlernt.
Das Nützliche bietet dann das Plenum der Gesamtgruppe mit sämtlichen Teilnehmern. Erst die Größe von 20 bis 30 Personen macht ja ein echtes Networking möglich und bietet eine brauchbare Basis für das Publizieren. Hier kann man im geschützten Raum des wachsenden Netzwerks ausprobieren, wie ein Text, ein Argument, eine Meinung vor größerem Publikum klingt, von den vielfältigen Anregungen einer größeren Gruppe einmal ganz abgesehen.
Nicht übersehen sollte man, dass es noch eine weitere Gruppengröße gibt: die Kleingruppe mit fünf bis sieben Personen. Das sind die Projekt-Gruppen, in der sich die am Malen, Musizieren, Romanschreiben oder an sozialen Aktivitäten und ähnlichen Spezialthemen und -Talenten Interessierten über den längeren Zeitraum des Jahreskurses hinweg zusammenfinden. In dieser kleinsten Formation lässt sich speziell das Evaluieren gut üben.
Das Gewusel der Schulklasse
Nicht für alle Menschen war und ist die Schulzeit eine angenehme und positive Erfahrung gewesen. Dessen ungeachtet ist es eine Tatsache, dass dort, in den recht umfangreichen Klassen mit 30 und mehr Schülern wichtige Freundschaften geschlossen wurden, die das ganze Leben überdauern können. In diesem Gewusel haben wir alle auch gelernt, uns gegenüber der Vielzahl zu behaupten und in diesem vielfältigen Spiegel und uimmer wieder neu zu erkennen und neu zu erfinden.
Wem dies in der Schule (oder später im Leben) nicht so recht gelungen ist, der / die kann das Minotauros-Projekt nicht zuletzt dafür einsetzen, hier das eine oder anderen nachzuholen. Ein wichtiger Selbsterfahrungs-Aspekt und eine Chance der Persönlichkeitsentwicklung im Minotauros-Projekt.
Ergänzend kann ich noch anmerken, dass ich mit größeren Gruppengrößen (bis zu 16 und mehr, bei den Generalversammlungen sogar mehr als 100 Teilnehmer) während meiner Ausbildung als TZI-Seminarleiter bei WILL-Europa (heute: TZI-Forum resp. Ruth-Cohn-Institut) beste Erfahrungen gemacht habe.
(Meine Feuertaufe als Seminarleiter habe ich übrigens Jahre vor meinem Kontakt mit TZI im Jahr 1974 in Vlotho mit einer Gruppe von 40 Sozialarbeitern und Helfern aus der Drogenarbeit gemacht. Obwohl ich damals von Gruppenleiten noch keine Ahnung hatte (= es nicht “gelernt” hatte), war die aus der Intuition heraus gelenkte Erfahrung für die Teilnehmer wie für mich sehr zufriedenstellend. Mich hat dieses Erlebnis dazu bewogen, dies als meine zukünftige Form der Tätigkeit zu erkennen. Dass dazu etliche Jahre des Lebendigen Lernens mit Ruth Cohn und ihren Mitarbeitern nötig waren, betrachte ich als eine der glücklichsten Wendungen meines Lebens – neben dem Schreiben.)
(c) Jan 2010 (Dez 2009) Jürgen vom Scheidt / Quelle: minotauros-projekt.de